05.10.2021

WFS-Geschäftsführer Thomas Horn im Interview

Seit 2018 ist Thomas Horn Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen. Im Interview mit der Sächsischen Agentur für Strukturentwicklung GmbH spricht der gebürtige Vogtländer über Chancen, Partizipationsmöglichkeiten und das Interesse internationaler Investoren an Sachsens Zukunftsrevieren.

 

Wissenswert: Dieses Jahr feiert die Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS) ihr 30-jähriges Bestehen. Seit drei Jahrzehnten bewirbt das landeseigene Unternehmen den Wirtschaftsstandort Sachsen auf der internationalen Bühne, berät potentielle Investoren von der Idee bis zur Realisierung von Ansiedlungsprojekten, unterstützt sächsische Unternehmen bei geplanten Erweiterungsmaßnahmen sowie bei Exportbestrebungen und bahnt Kooperationen an.

 

 

Herr Horn, Sie haben als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS) sicherlich ein ureigenes Interesse daran, dass der Strukturwandel in den beiden sächsischen Tagebauregionen gelingen wird. Wie nehmen Sie die Entwicklung, die seit dem Kohlekompromiss an Fahrt gewinnt, wahr?

 

Die Lausitz und das Mitteldeutsche Revier sind dynamische Wirtschaftsregionen – mit einem starken Mittelstand, innovativen Unternehmen und kreativen Menschen, die schon einmal gezeigt haben, dass sie die Kraft besitzen, sich nach Umbrüchen – wie 1990 – neu zu erfinden. Auch wenn das Thema „Strukturwandel“ bereits im Jahr 2019 Fahrt aufgenommen hat, steht die bis ins Jahr 2038 zielende Entwicklung und Neuausrichtung der Regionen noch ganz am Anfang. Die ersten Schritte werden jetzt getan. Insbesondere die am 20. August 2021 veröffentlichte Projektliste zeigt, dass die Weichen richtig gestellt wurden. Dabei ist es wichtig, dass die Menschen und Unternehmen in den Revieren mitgenommen werden und an diesen Zukunftschancen partizipieren und diese mitgestalten können. In den nächsten Jahren wird es zunehmend entscheidend sein, Leitthemen und Schwerpunktprojekte voranzubringen, die den Unternehmen und der Bevölkerung vor Ort, aber auch neuen Investoren Perspektiven aufzeigen.

 

 

Sie haben mit der Wirtschaftsförderung Land Brandenburg, den Landkreisen der Ober- und Niederlausitz und der Stadt Cottbus vor geraumer Zeit eine Broschüre aufgelegt, die die wichtigsten Standortvorteile der Lausitz beschreibt und mit deren Hilfe sie nationale und internationale Investoren für die Lausitz suchen wollten. Wie ist da der heutige Stand?

 

Wir stehen mit zahlreichen nationalen und internationalen Unternehmen in Kontakt, die sich für eine Ansiedlung in den Strukturwandelregionen interessieren. Deshalb sind wir optimistisch, interessante Unternehmen für die Regionen zu begeistern, die auch eine Bereicherung für die lokalen Wirtschaftsstrukturen darstellen. Die Broschüre ist dabei ein Baustein in der Standortvermarktung für die Lausitz. Darüber hinaus haben wir die Webseite www.lausitz-invest.de initiiert, die in Zukunft weiter ausgebaut wird. Wichtig ist, dass Interessenten ganz einfach die für sie relevanten Fakten finden und sich von den positiven Standortfaktoren unkompliziert ein Bild machen können. Außerdem wird das Lausitz Investor Center zeitnah starten – mit einem gemeinsamen sächsisch-brandenburgischen Team, dass zentraler Ansprechpartner für Investoren und Interessierte sein wird.

 

 

Was überzeugt die Investoren und womit kann die Region bei Investoren besonders punkten?

 

Investoren treffen in Sachsen und insbesondere den Strukturwandelregionen auf qualifizierte Fachkräfte, sowohl Facharbeiter als auch Hochschulabsolventen. Zudem ist die enge Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft stark ausgeprägt. Effizient ist die verkehrsgünstige Lage mit schnellem Zugang in regionale, überregionale und internationale Märkte. Ein enormes Plus sind verfügbare Gewerbeflächen für verarbeitendes Gewerbe und Industrie sowie günstige Büroflächen für Gründer und junge Technologieunternehmen. Beide Regionen punkten mit einer hohen Lebensqualität: Bezahlbarer Wohnraum, gute Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, wie ausreichende Kita- und Hortplätze sowie attraktive kulturelle und touristische Rahmenbedingungen.

Zudem werden für Strukturwandelregionen besondere Fördermöglichkeiten angeboten. Der europäische Just Transition Fonds soll Unternehmen ab 2022 zur Verfügung stehen, die in Strukturwandelregionen investieren möchten. Wenn es Regionen gibt, die man als industrieaffin beschreiben kann, dann sind das die Strukturwandelregionen. Sicher ein wichtiger Pluspunkt, der diese Regionen besonders auszeichnet.

 

 

Perspektivisch soll die Lausitz eine Industrieregion bleiben und eine Hochtechnologieregion werden. Dazu soll auch die Ansiedlung von Forschungszentren beitragen. Welche Branchen sehen Sie im Fokus?

 

Ziel ist es, die Region als Zentrum der Energie- und Mobilitätswende in Deutschland und Europa zu positionieren. Die Lausitz ist seit jeher eine Energieregion, auf diese Kompetenzen kann man aufbauen und entsprechende Synergien für verschiedene Zukunftsthemen nutzen, wie Speichertechnologien, Batterien für die E-Mobilität und Wasserstoff als Energieträger der Zukunft. Entscheidend wird sein, neue Technologien und damit Wertschöpfungsketten in der Region nachhaltig anzusiedeln. Zudem haben auch Branchen abseits der Energieerzeugung Potential, wie bspw. die Glasverarbeitung in Weißwasser, die auf eine lange Historie und gewachsene Kompetenz blickt.

 

Schlussendlich – das fragen wir jeden unserer Gesprächspartner – würden wir gerne von Ihnen wissen, wie Sie sich die Lausitz im Jahr 2038 vorstellen, wenn sie von der Region ein Bild zeichnen müssten?

 

Die Lausitz bleibt Energieregion. Es haben sich starke Forschungsinstitute und Unternehmen aus den verschiedensten Bereichen der Energieerzeugung angesiedelt. In unserem Marketing taucht der Slogan „From Coal to Cool“ auf. Das beschreibt diesen Prozess sehr gut. Die Region schafft den Schritt in die Zukunft, bewahrt sich gleichwohl ihre Traditionen und bleibt authentisch. Die Lausitz wird überregional und auch international als attraktive Wirtschaftsregion mit hoher Lebensqualität wahrgenommen. Aber das Wichtigste ist: dies ist für mich kein Wunschdenken, sondern ich bin fest überzeugt, dass das auch genauso gelingen wird.

  

Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Horn!