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„Eiffelturm des Ruhrgebiets“: Zeche Zollverein (2/3)

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Luftaufnahme vom Zollverein

Die frühesten, schriftlichen Belege für protoindustriellen Kohlenbergbau im Ruhrgebiet liegen rund 700 Jahre zurück. In Essen begann die industrielle Förderung von Steinkohle in den 1830er Jahren als man im Westen der Stadt, genauer im Stadtteil Schönebeck, erstmals reiche Steinkohlenlagerstätten lokalisieren konnte…

 

Im zweiten Teil unserer dreiteiligen Serie blicken wir auf die Blüte der Kohleförderung in Essen.

Teil 2: Die goldenen Jahre

 

Kennen Sie die „Europäische Route der Industriekultur“, kurz ERIH? Nein? Bei ERIH handelt es sich um ein Netzwerk der wichtigsten Standorte des industriekulturellen Erbes ganz Europas. Über 1.000 Objekte, Städte und Regionen in mehr als 40 Ländern Europas sind hier verbunden – ein Ankerpunkt Deutschlands ist die Zeche Zollverein in Essen. 1851 startete in 130 Metern Tiefe der Abbau der Steinkohle in Essen, dabei wurde die Zeche nach dem Deutschen Zollverein benannt. Das Hauptgelände des heutigen Kulturdenkmals umfasst die Schächte 12 und 1/2/8, die im Jahr 2001 zum Weltkulturerbe ernannt wurden.

 

1834 war es der Großindustrielle Franz Haniel der auf der Suche nach Kohlevorkommen für seine Stahlproduktion die unter Essen liegende Mergelschicht durchstoßen hatte und reiche Kohleflöze fand. Ab diesen Zeitpunkt hatte die Zeche ein bewegtes Dasein und setzte teilweise als größte und modernste Schachtanlage im Bergbau Maßstäbe: Zum Höhepunkt des Abbaus in den 60er Jahren wurden allein hier fast zwei Millionen Tonnen Kohle jährlich gefördert, in der Kokerei täglich etwa 10.000 Tonnen Steinkohle zu dem für die Stahlproduktion benötigten Koks veredelt. Bis dahin war das Gelände der Zeche sukzessive ausgebaut worden, um diese gigantischen Mengen fördern und produzieren zu können. Unter-, aber auch überirdisch entstanden Gebäude und Schächte und wuchsen zu einem großen Ensemble zusammen. Weithin sichtbar und als das Kennzeichen der Zeche bekannt wurde das Doppelbock-Fördergerüst von Schacht 12. Bis heute ist das Gerüst, das als Förderanlage konzipiert wurde und eine doppelte Fördermechanik hatte, eines der Wahrzeichen der Stadt Essen und des „Ruhrpotts“. Daneben gab es zu den Hochzeiten knapp 100 Gebäude, mehr als 200 technische Anlagen und Maschinen, etwa 2,7 Kilometer Bandbrücken und mehr als 13 Kilometer Rohrleitungen. Bis zum ersten Weltkrieg förderte die Zeche bereits 2,5 Millionen Tonnen Steinkohle. Durch technischen Fortschritt, Aufstocken der Mitarbeiterzahl und den Ausbau der unterirdischen Anlagen stieg bis 1937 die Fördermenge auf bereits 3,7 Millionen Tonnen. 6.900 Beschäftigte tummelten sich rund um die Zeche und Kokereien.

 

Das Ruhrgebiet pulsierte unter der Förderung des „schwarzen Goldes“, die Menschen siedelten sich rund um die Zechen an. Den 2. Weltkrieg überstand die Zeche ohne große Schäden und konnte recht zügig wieder mit der Förderung starten und schnell die Kapazitäten wieder steigern. 1953 sind es bereits wieder 2,4 Millionen Kohle – Deutschland ist mitten im Wiederaufbau und braucht die Steinkohle. In den Folgejahren wurden weitere Schächte in Betrieb genommen, Kokereien gebaut und aufgestockt – bis Ende der 60er der Bedarf drastisch zurückging und erste Zechen geschlossen wurden. Auch in der Essener Zeche ist der Niedergang spürbar. Nach und nach mussten Schächte schließen. Ab 1967 verbleibt lediglich die Förderung auf Schacht 12. 1968 wurde die Zeche Zollverein in die Bergbau AG Essen der Ruhrkohle AG überführt. Es begann das langsame Ende einer Ära und der Kampf einer ganzen Region.