Neues aus den Revieren

Seit Januar 2014 ist Christine Herntier Bürgermeisterin der Stadt Spremberg. Als langjährig tätige Ökonomin und Kommunalpolitikerin erlebt Sie den Wandel in der Lausitz hautnah und ist nicht zuletzt durch ihr Engagement in der Lausitzrunde zu einem der Gesichter der Strukturentwicklung geworden.

 

Über Ihre persönliche Motivation und die teils anstrengende und selten ohne Kritik ablaufende Arbeit für einen erfolgreichen Strukturwandel gab Christine Herntier in einem Interview mit der SAS-Redaktion Auskunft.

 

 

Frau Herntier, als Bürgermeisterin der Stadt Spremberg sind Sie bereits seit sieben Jahren im Amt und werden sich vermutlich in diesen Jahren auch intensiv mit dem Thema Strukturwandel beschäftigt haben. Womit werden Sie in diesem Zusammenhang durch Ihre Bürgerinnen und Bürger am meisten konfrontiert?

 

Am meisten konfrontieren mich die BürgerInnen mit ihren Zweifeln am Gelingen des Strukturwandels.

 

 

Nun sind wir natürlich vornehmlich mit Themen des sächsischen Teils des Lausitzer und des Mitteldeutschen Reviers beschäftigt, allerdings endet der Strukturwandel selbstverständlich nicht an den Landesgrenzen. Wie werden Sie diesem Umstand gerecht und wie funktioniert das Miteinander über Brandenburg hinaus mit den Kolleginnen und Kollegen in der Lausitz?

 

Gerade die Lausitzrunde ist der Mahner dafür, dass die Strukturentwicklung abgestimmt zwischen den Ländern Brandenburg und Sachsen erfolgen muss. Leider ist es immer wieder ein Kampf, gerade bei Ländergrenzen überschreitenden Projekten. Das muss unbedingt besser werden. Also zwischen den Bürgermeistern funktioniert das schon gut, auf Landesebene kann es noch besser werden.

 

 

Ein Gremium, das sich intensiv mit dem Lausitzer Strukturwandelprozess beschäftigt, ist die  von Ihnen bereits erwähnte Lausitzrunde. Sie sind hierin die Sprecherin der Brandenburger Kommunen. Welche Ziele haben Sie sich mit der Lausitzrunde gesetzt?

 

Die Lausitzrunde ist ein kommunales Bündnis für den Strukturwandel, welches einmalig in Deutschland ist. Wir als direkt vom Kohleausstieg betroffene Kommunen haben nicht nur Interesse an Strukturgeldern, für uns ist das Gelingen des Strukturwandels existenziell. Daher haben wir uns sozusagen verschworen, diese große Aufgabe gemeinsam zu bewältigen. Wir wollen, dass die Wertschöpfung und die Wertschöpfungsketten der Kohle- und Energieindustrie ersetzt werden durch neue, innovative Ansätze. Dafür haben wir unsere Clusterstrategie entwickelt (siehe www.lausitzrunde.com). Dort sind auch unsere Vorschläge, die Eingang in den Bericht der KWSB und in die Leitbilder gefunden haben, nachzulesen. Darüber hinaus wollen und müssen wir den demografischen Wandel stoppen und umkehren. Diesen Aspekt haben wir ebenfalls stark im Blick.

 

 

Wir hatten Mitte Juni 2021 die Gelegenheit, mit Bundeswirtschaftsminister Altmaier über den Strukturwandel zu sprechen. Im Speziellen sprachen wir darüber, dass seine Heimat, das Saarland, den Strukturwandel in einigen Teilen bereits erfolgreich bewältigt hat. Sein Credo war, dass alle voneinander lernen und sich miteinander austauschen sollten, um diese gewaltige Aufgabe im Schulterschluss meistern zu können. Schauen Sie aktiv in andere Landesteile, sprechen mit Akteuren auch dort oder haben sich vielleicht sogar vor Ort Eindrücke geholt?

 

Ja, wir sind im direkten Austausch mit den Kommunen im rheinischen und im mitteldeutschen Revier. Darüber hinaus habe ich persönlich auch an vielen internationalen Veranstaltungen teilgenommen. Mein Kollege Torsten Pötzsch, Oberbürgermeister der Stadt Weißwasser, ist besonders aktiv im Mayors Forum, in dem die europäischen Bürgermeister der Kohlereviere organisiert sind.

 

 

Spielen in Ihren Überlegungen und Planungen auch die Nachbarn aus Polen und Tschechien eine Rolle, um auch mit diesen den Strukturwandel über das bundesdeutsche Gebiet hinweg zu bewältigen? Oder sind in diesen beiden Ländern die Themen des Strukturwandels noch nicht so ausgeprägt wie in Deutschland?

 

Wir haben bereits 2016 in unserem Brief an die Kanzlerin Angela Merkel festgestellt, dass die Lausitz bestens geeignet ist, europäische Modellregion für den Strukturwandel zu werden. Die Länder haben das aufgegriffen, darauf sind wir sehr stolz. Auch die EU hat uns darauf hingewiesen, dass es notwendig ist, mehr grenzüberschreitende Projekte zu entwickeln. Aber auch das ist schwierig. Wir haben ja schon Probleme über die Landesgrenze hinaus Vorhaben zu entwickeln und umzusetzen.

 

 

Wenn man sich im Saarland mit Protagonisten des Bergbaus unterhält und diese nach ihren Erinnerungen fragt, wird man dort auch öfter damit konfrontiert, wie viele Familien unter Tage Familienmitglieder verloren haben. Welche Erinnerungen haben Sie aus der Zeit des Tagebaus in Ihrer Heimat? Welche Bilder tauchen vor Ihrem geistigen Auge als Erstes auf, wenn Sie Ihren Enkeln von damals erzählen?

 

Ich selbst und auch meine Familie habe nie im Tagebau gearbeitet. Trotzdem habe ich die Bilder vom Winter 1978/79 im Kopf wenn ich daran denke, wie schwer und auch wie gefährlich die Arbeit im Tagebau sein kann. Dieser Jahrhundertwinter war für die Bergbauarbeiter eine enorme Belastung.

 

 

In dem Buch „Wir machen das schon“ berichten Sie und Ihre Tochter, dass der Strukturwandel nicht nur bedeutet, Arbeitsplätze zu schaffen, sondern junge Menschen in der Region zu halten oder zurück zu gewinnen. Wie wollen Sie diesen Spagat bewältigen, denn in der Wahrnehmung vieler Menschen ist Strukturwandel nur darauf beschränkt, wegfallende Arbeitsplätze durch neue zu ersetzen.

 

Diese Wahrnehmung, dass Strukturwandel darauf beschränkt ist, neue Arbeitsplätze zu schaffen ist zu verkürzt. Besonders der demografische Wandel kann nur dadurch gestoppt und umgekehrt werden, wenn auch Kunst, Kultur, Bildung, Gesundheit, Kreativität einen deutlichen Schub bekommen. Dazu sind auch die Strukturmittel vorgesehen und entsprechend dieser Bedürfnisse wollen wir den Strukturwandel gestalten.

 

 

Das Thema Umweltschutz liegt Ihnen, das haben Sie ebenfalls betont, sehr am Herzen. Vor allem im Hinblick auf die Zukunft unserer Kinder und Enkel. Die Themen Wasser, Energie und Ernährung stehen hier stark im Fokus. Welche Rolle – wenn Sie es frei festlegen könnten – wird der Lausitz hier zuteilwerden?

 

Die Lausitz ist auch eine wunderschöne Naturlandschaft, welche jetzt wieder viel mehr wahrgenommen wird. Daher sind die Themen Ressourceneffizienz, Bioökonomie und sanfter Tourismus auch sehr wichtige Zukunftsthemen für die Lausitz. Das alles haben wir in unserer Clusterstrategie entwickelt. Vielfältige Wertschöpfung ist der Schlüssel für einen gelungenen Strukturwandel. Wir dürfen es nicht zulassen, wieder „benutzt“ zu werden. Denn so war es doch. Wir sollten nur die Kohle und Energie liefern. Wie wir hier leben war egal. Das darf sich nicht wiederholen. 

 

 

Sie schildern in Ihrem Buchbeitrag auch, dass der jetzige Strukturwandel eine einmalige Chance für die Lausitz ist. Damit haben Sie auch bei der letzten Sitzung der Lausitzrunde geworben. Wie wollen Sie die Skepsis gegenüber den jetzt in Gang gesetzten Prozessen zum Strukturwandel begegnen, damit die Menschen die Angst davor verlieren und die Situation als Chance begreifen?

 

Angst ist immer ein sehr schlechter Ratgeber. Leider ist es sehr einfach, den Menschen Angst einzujagen. Und wenn man ehrlich ist, muss man sagen: Wir hatten keine Chance als Lausitz. Wir sind regelrecht ausgeblutet, vor allem die jungen Menschen haben uns verlassen. Erst jetzt, wo wir Aufmerksamkeit bekommen, und nicht nur wegen dem Geld, sondern auch, weil man gerade in der Lausitz etwas Neues machen kann, sind wir interessant.

 

Spremberg/Grodk ist wie kaum eine andere Stadt vom Kohleausstieg und von den strukturellen Defiziten der ganzen Lausitz betroffen. Jetzt können wir mit dem festen Willen, für uns, für die SprembergerInnen etwas zu verbessern, zum Beispiel das Thema Bildung ganz neu angehen. Die schweren Fehlentscheidungen in den vergangenen Jahrzehnten, Spremberg/Grodk derart stiefmütterlich bei Bildungseinrichtungen zu behandeln, können nur jetzt korrigiert werden. Unsere sehr gute Zusammenarbeit mit der BTU, aber auch mit anderen Universitäten versetzt uns in die Lage, qualifizierte Projekte zu erarbeiten. Das hat es noch nie gegeben in Spremberg/Grodk, darauf bin ich stolz. Auch die Bürgerbeteiligung hat einen Schub bekommen, den viele nie für möglich gehalten hätten. Das ist ein Vorteil für die Stadt, denn das bedeutet Vielfalt. Das lockt interessante Menschen an.

 

 

Wo genau sehen Sie die speziellen Chancen der Stadt Spremberg? Für was steht Sie jetzt und wird sie 2038 stehen?

 

Spremberg/Grodk wird ein ganz wichtiger Wirtschaftsstandort im Süden von Brandenburg aber mitten im Herzen der Lausitz bleiben. Aber wir werden nicht mehr nur „ausgebeutet“, nein, wir werden uns ganzheitlich entwickeln können. In die Zukunft schauen kann ich nicht, aber ich wünsche mir und ich arbeite darauf hin, dass wir insgesamt jünger werden, dass wir wachsen, dass wir erkennen, welche Chance in der jetzigen Situation steckt und diese auch mutig ergreifen. Dazu bedarf es nicht nur eines Strukturwandels, sondern auch eines Sinneswandels. Manchmal muss man eben auch ein bisschen zu seinem Glück gezwungen werden.

 

 

Vielen Dank für das Interview, Frau Herntier.

Silke Butzlaff ist als Geräteführerin auf dem kolossalen Eimerkettenbagger im Tagebau Welzow-Süd für die Lausitz Energie Bergbau AG tätig. Sie ist eine der wenigen Frauen in diesem Beruf und sie geht diesem mit Leidenschaft seit über 30 Jahren nach. Mit dem Kohleausstieg beginnt auch für sie ein neues Lebenskapitel.

 

Im Gespräch mit der SAS gibt sie Auskunft über ihre Zukunft, ihre Sicht auf den Kohleausstieg und die Chancen die sich für ihre geliebte Lausitz beiderseits der Grenze zwischen Sachsen und Brandenburg im anstehenden Strukturwandel ergeben werden.

 

 

Frau Butzlaff, Menschen, die sich mit dem Thema Strukturwandel und hierbei speziell mit den Belangen des Tagebaus in der Lausitz beschäftigen, kennen Sie inzwischen als „DIE Baggerfahrerin“ schlechthin. Können Sie uns ein wenig mitnehmen, wie das alles begann und sich in den letzten Monaten entwickelt hat?

 

Nun ja, ich bin insgesamt schon seit über 30 Jahren im Bergbau tätig und sitze im Grunde den größten Teil dieser Zeit auf ein und demselben Bagger. Es handelt sich hierbei um einen der ältesten noch im Betrieb befindlichen Eimerkettenbagger und ja, das ist wirklich vom Gefühl her mein Bagger. Diese Verbundenheit mit diesem Bagger, mit meinem Beruf, der Region und den Menschen vor Ort hat mich dazu gebracht, mich für unsere Belange verstärkt einzusetzen. Gerade auch vor dem Hintergrund des Kohleausstiegs 2038.

 

 

Wenn wir ganz an den Anfang zurückkehren, war Bagger fahren schon als Kind Ihr Traumberuf?

 

Nein. Ich habe zwar als Kind nicht mit Puppen gespielt, sondern eher mit Dingen, die für Jungs typisch sind, aber es war nicht so, dass ich davon träumte, auf einem Bagger zu sitzen, wenn ich groß bin. Das hat sich erst mit dem Ende meiner Schulzeit ergeben, als ich vor der Frage der Berufswahl stand. Und als ich dann meinen heutigen Bagger zum ersten Mal gesehen habe, da kam dieser unbedingte Wunsch auf, diesen Bagger zu steuern. Aber wirklich auch nur diesen. Und das habe ich mir dann, obwohl ich eine Frau bin und Frauen in diesem Beruf eher die Seltenheit, als die Regel sind, erfüllt und es bis heute nie bereut.

 

 

Sie sprachen eben selbst an, dass im Zuge des sogenannten Kohlekompromisses, verbunden mit dem Ausstieg aus der Kohleverstromung sich Ihr persönliches Engagement nochmals intensiviert hat. Was genau hat sie dazu gebracht, sich hier so stark einzubinden?

 

Zu allererst finde ich es wichtig, an dieser Stelle nochmal zu untermauern, dass auch mir natürlich die Umwelt und der Erhalt dieser wichtig ist. Mein Engagement und das meiner Mitstreiterinnen und Mitstreiter stellt nicht in Abrede, dass den Umweltbelangen ein verstärktes Augenmerk gewidmet werden muss, damit auch für die kommenden Generationen ein gutes Leben auf unserem Planeten möglich sein wird. Allerdings möchten wir, dass auch die Belange unseres Berufs und der Menschen in der Region Rechnung getragen wird. Ich möchte meinen Anteil dafür leisten, dass eben das nicht vergessen wird und die Lausitz eine tolle Zukunft haben wird.

 

 

Haben Sie den Eindruck, dass das vergessen wird oder in den Überlegungen keine Rolle spielt?

 

Nein, das so pauschal zu behaupten, wäre auch nicht fair. Aber oftmals ist das Verständnis des Gegenübers nicht so stark ausgeprägt oder man hat sich nicht so wirklich intensiv mit unseren Gedanken und Sorgen auseinandergesetzt, wie man das tun könnte und wir es uns wünschen. Ich sehe aber auch, dass das ein Geben und Nehmen ist. Dieser Austausch muss natürlich von beiden Seiten gewollt sein und gesucht werden. Das kann nie einseitig funktionieren. Auch wir müssen zuhören und verstehen und am Ende muss es ein Weg sein, der für uns alle gut ist.

 

 

In einem Ihrer Interviews haben Sie angemerkt, dass es nun zwar den Plan gäbe, 2038 mit der Kohleverstromung zu enden, aber der Plan in Ihren Augen nicht zu Ende gedacht ist. Wo sehen Sie die Hauptdefizite?

 

Eine Tatsache, die wohl niemand in Abrede stellen kann, der sich ehrlich mit den Fakten auseinandersetzt, ist doch, dass Deutschland bisher auf die Kohle angewiesen ist, wenn wir keinen kompletten Blackout riskieren wollen. Die Kohle wird als Grundlast in unserem Energiesystem gebraucht. Eine echte Alternative sehe ich da bisher nicht, zumal die Regierung zuletzt ja bereits einräumen musste, dass der Bedarf an Strom noch viel höher ist und sein wird, als man bisher kalkuliert hatte. Hier braucht es Antworten.

 

 

Antworten fordern Sie mit Ihrer Initiative zum Erhalt des Tagebaus aber auch für die Zukunft der vielen Beschäftigten des Bergbaus ein.

 

Ja. Es braucht Jobalternativen, vor allem für die, deren Arbeitsleben bestenfalls noch eine ganze Weile andauern soll. Ich persönlich habe für meine Jahre bis zum Renteneintritt einen klaren Plan gefasst, aber viele meiner Kolleginnen und Kollegen wissen nicht, wohin beruflich ihr Weg führen könnte. Die Alternativen, die es für sie geben könnte, weil es Pläne dazu in der Politik gibt, sind oftmals unter den Menschen doch noch gar nicht bekannt. Da fehlt es an Kommunikation.  

 

 

Wie sieht Ihr Plan aus?

 

Ich werde natürlich bis zum letztmöglichen Tag auf meinem Bagger bleiben, lasse mich jedoch bereits jetzt auf ein anderes Modell umschulen. Mir graut aber, ehrlich gesagt, vor diesem allerletzten Tag auf meinem Bagger. Das wird sehr, sehr traurig für mich sein.

 

 

Wir hatten kürzlich ein Gespräch mit einer Vertreterin einer Jugendinitiative aus dem Mitteldeutschen Revier. Sie schilderte ebenfalls, dass es oftmals einfach daran hapert, den gegenüber und seine Wünsche und Belange zu verstehen. Sie erfahren für Ihr Engagement auch nicht nur Zuspruch. Wie gehen Sie damit um?

 

Das trifft mich selbstverständlich, schließlich stehe ich nicht für fragwürdige Ideologien oder Strömungen ein, sondern setzte mich eigentlich nur für meinen Beruf, meine Heimat und meine Mitmenschen ein. Und unser Engagement geht weit über das Thema Braunkohle hinaus. Als im Juli die furchtbare Flut in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen war, haben wir uns sofort zu einer Hilfsaktion zusammengetan und in kürzester Zeit Spenden gesammelt und mit einem LKW nach NRW geschickt.

 

 

Sie pflegen also auch Kontakte in die anderen Braunkohlereviere?

 

Ja, wir sind wie eine große Familie und da hat es uns natürlich berührt, als wir die Bilder der Flutkatastrophe gesehen haben. Zumal im Tagebau Inden (Nordrhein-Westfalen) leider auch ein Kohlekumpel in der Flut sein Leben gelassen hat.

 

 

Wenn man nochmal auf den Strukturwandel schaut, wie nehmen Sie die Bemühungen der Länder Brandenburg und Sachsen wahr?

 

Ich denke schon, dass beide Bundesländer darum kämpfen, dass der Strukturwandel gelingen wird. Durch den Umstand, dass die Lausitz in beiden Bundesländern liegt, nimmt man manchmal wahr, was Brandenburg an Projekten umsetzen will. Tagsdrauf liest man vielleicht wieder etwas für die sächsischen Regionen. Auch wenn ich Sprembergerin bin und damit zu Brandenburg gehöre, trenne ich das emotional nicht, sondern in erster Linie bin ich Lausitzerin. Deshalb freue ich mich auch, wenn wir Zuspruch aus Sachsen erhalten oder mit uns der Dialog gesucht wird über die Landegrenzen hinweg. Schlussendlich ist der Strukturwandel in der Lausitz nur zu schaffen, wenn wir alle an einem Strang ziehen.

 

 

Wir wollen ja künftig weiter Ihre Wege verfolgen und mit Ihnen in Kontakt bleiben – auch wenn der Tag ansteht, an dem Sie Ihren Bagger verlassen werden. Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, welches Erinnerungsstück Sie sich mitnehmen werden?

 

Oh ja, das ist gar nicht so einfach, schließlich steckt da irgendwie auch mein ganzes Leben drin. Wer noch nicht auf so einem Gerät gewesen ist, kann sich vermutlich gar nicht vorstellen, wie es darin aussieht. Aber schlussendlich ist es ein Stück Lebensraum und wird immer ein Großteil meiner Lebensgeschichte sein. Deshalb werde ich ganz gewiss die eine oder andere materielle Erinnerung mitnehmen. Aber noch mehr sind natürlich in meinem Gedächtnis gespeichert.

 

 

Vielen Dank, liebe Silke Butzlaff, für das Interveiw!

Im dritten und letzten Teil unserer kleinen Blog-Serie zur Heuersdorfer Emmauskirche blicken wir zurück auf den rettenden aber auch höchst aufwendigen Transport des bald 800 Jahre alten Gemäuers und versuchen ein Bild von den Anstrengungen, die nötig waren um das gesamte Unterfangen erfolgreich zu beenden, zu zeichnen.

 

Teil 3 – Die Translozierung

 

Ehe am 23. Oktober 2007 das Mammutprojekt wirklich beginnen konnte, waren neben den erforderlichen Bauarbeiten an der Emmauskirche selbst auch zahlreiche Vorbereitungen auf der etwa zwölf Kilometer langen Wegstrecke notwendig. Die kürzeste Strecke barg zu viele Risiken in sich, sodass man sich entschied die Strecke über Neukieritzsch zu führen. Unter anderem zwei Bahnübergänge, zwei Flüsse, vier Brücken sowie diverse Oberleitungen galt es zu passieren. Es mussten Niveauunterschiede ausgeglichen, Plätze betoniert, Dämme aufgeschüttet und Hochspannungsleitungen angehoben oder gar ganz demontiert werden, damit der fast 1.000 Tonnen schwere Transport den Weg nehmen konnte.

 

Am Nachmittag des 21. Oktober 2007 startet dann kaum merklich das Abenteuer: Die Kletterpressen hoben das Kirchenhaus Millimeter um Millimeter aus seinem Fundament heraus. Keine der Beteiligten Firmen und Institutionen konnte zu 100% garantieren, dass das Unterfangen erfolgreich starten oder die Kirche direkt in sich zusammenfallen würde. Aber sie hielt den Belastungen stand und wurde in den folgenden Tagen auf eine 32 Meter langes und 800 PS starkes Spezialfahrzeug gesetzt. Auf insgesamt 40 Achslinien, doppelt gekoppelt und um 360 Grad drehbaren Radpaaren stand die Kirche, als sie sich am 25. Oktober 2007 um 9.55 Uhr auf den Weg in ihre neue Heimat im Stadtzentrum Bornas machte. Pünktlich und ohne Zwischenfälle erreicht der Trailer die beiden Bahnübergänge, die die Deutsche Bahn nur in engen Zeitfenstern für diesen Transport gesperrt hatte. Am Sonntag, dem 28. Oktober 2007 begleiten bei strahlendem Sonnenschein hunderte Menschen aus ganz Deutschland die Emmauskirche auf ihrer einmaligen Reise. Das „Kirchlein auf Rädern“ sorgte weit über die die Grenzen des Freistaates hinaus für Gesprächsstoff. Am 29. Oktober 2007 passierte die Emmauskirche schließlich, mit einer leichten Verspätung von 2 Tagen und in Anwesenheit des damaligen sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt, des ehemaligen Landesbischof Jochen Bohl und der damals amtierenden Landrätin Petra Köpping (ehemals Landkreis Leipziger Land), die Stadtgrenze Bornas. Nachdem die Kirche behutsam und sicher auf Ihrem neuen Platz gestellt wurde, folgten Restaurierungsarbeiten die zum Osterfest 2008 abgeschlossen werden konnten. Seither steht die Emmauskirche auf ihrem neuen Standort, dem Martin-Luther-Platz in Borna, gilt bis zum heutigen Tag als Denk- und Mahnmal für Heimat und den Braunkohletagebau in der Region rund um Borna.

 

Die Emmauskirche steht stellvertretend für all jene Projekte die dank unermesslichem Engagement vieler sowie modernster Technik und Forschung erfolgreich gelöst werden konnten und können. Sie zeigt aber auch wie wichtig Erinnerungsorte sind, und dass deren Erhalt trotz aller Widrigkeiten eine lohnende Aufgabe ist. Für den laufenden Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier aber auch in den anderen Kohlerevieren der Bundesrepublik kann die Geschichte der Emmauskirche zweifelsohne als Vorbild und Symbol, dass genügend Motivation für künftige Mammutprojekte bietet, in jedem Falle stehen.

 

Bilder vom Transport der Emmauskirche von Heuersdorf nach Borna

Die Emmauskirche auf dem Weg nach Borna

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Unsere Vision und Mission

Moderne Regionen für Menschen aller Generationen in Sachsen.

Sachsen ist mit dem Mitteldeutschen Revier im Westen und dem Lausitzer Revier im Osten des Freistaates an zwei von drei Braunkohlerevieren in der Bundesrepublik Deutschland beteiligt und somit das Bundesland, das am stärksten von den Folgen einer vorzeitigen Beendigung der Förderung und Verstromung von Braunkohle in Deutschland betroffen ist.

 

Die Strukturentwicklung in den betroffenen Regionen ist eine außerordentlich bedeutsame und zugleich komplexe Aufgabe. Die Herausforderung besteht darin, die sächsischen Teile des Lausitzer und des Mitteldeutschen Reviers für die Zeit nach der Braunkohleförderung und -verstromung zu Regionen mit modernen Arbeitsplätzen und hoher Lebensqualität zu entwickeln. Damit werden Voraussetzungen für Investitionen geschaffen, welche den betroffenen Regionen stabile und hohe Anteile an den Wertschöpfungsketten zukunftstragend sichern.

Die Sächsische Staatsregierung hat in der Kabinettssitzung vom 18. Juni 2019 beschlossen, gemeinsam mit der Sächsischen Aufbaubank – Förderbank (SAB) eine Strukturentwicklungsgesellschaft in der Rechtsform einer GmbH zu gründen.

 

Die Sächsische Agentur für Strukturentwicklung (SAS) wurde im November 2019 gegründet. Die SAS berät die betroffenen Landkreise und Kommunen im Strukturwandel, um Wohnen, Leben und Arbeit für eine moderne Region zu verbinden. Als Berater und Förderlotse, Ideensammler und Impulsgeber unterstützt sie die regionalen Akteure von der Idee über die Planung und Umsetzung bis zur Fertigstellung der Projekte. Gemeinsam mit den Menschen vor Ort und in enger Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Staatsministerium für Regionalentwicklung werden die vielen einzelnen Projekte zu einem großen Ganzen zusammengefügt.





Die SAS im Überblick

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Sachsens Zukunftsreviere

Mit insgesamt 40 Milliarden Euro verteilt über 20 Jahre, will die Bundesregierung drei Braunkohlereviere in vier Bundesländern fördern, die vom Kohleausstieg wirtschaftlich besonders betroffen sind – und die über Jahrzehnte maßgeblich zur Energie-Versorgungssicherheit in Deutschland beigetragen haben. Das Lausitzer und das Mitteldeutsche Revier gehören dazu. Sie sollen sich von Energieregionen zu Innovationsregionen mit neuen Perspektiven entwickeln.

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Förderung

Am 27. April 2021 hat die sächsische Landesregierung die »Förderrichtlinie für Zuwendungen nach dem Investitionsgesetz Kohleregionen – RL InvKG« beschlossen. Die Richtlinie regelt das Verfahren, nach dem Projekte für den Strukturwandel in den sächsischen Braunkohlerevieren ausgewählt und unterstützt werden. Förderanträge können Kommunen bzw. deren Unternehmen in den Landkreisen Bautzen, Görlitz, Leipzig, Nordsachsen sowie die Stadt Leipzig, stellen.

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Termine & Veranstaltungen

Regionale Begleitausschüsse, Vor-Ort-Termine, Pressekonferenzen und Infoveranstaltungen zum Strukturwandel – Was, wann, wo? Hier finden Sie eine Übersicht zu aktuellen aber auch vergangenen Terminen der Sächsischen Agentur für Strukturentwicklung.

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FAQs

Um Sie mit den wichtigsten Informationen zu versorgen und Ihre Fragen zum Förderverfahren schnellst möglich zu beantworten, haben wir die häufig gestellten Fragen und die passenden Antworten für Sie zusammengestellt.